Abstehende Ohren

Abstehende Ohrmuscheln sind eine häufige Deformität. Ursächlich ist entweder die Vergrößerung der Ohrmuschel (Conchahypertrophie) oder eine unvollständige oder fehlende Faltelung der Anthelix. Beides führt zu einem zu großen Winkel zwischen Ohrmuschel und Schädel. Ist dieser größer als ca. 30 Grad, so wirkt die Position der Ohrmuschel unnatürlich.

Fällt ein zu großer Ohrenabstand bereits bei der Neugeborenenuntersuchung auf, so kann dieser und auch andere Ohrknorpelveränderungen, mittels einer Schablone oder weichen Drähten behoben werden. Direkt nach der Geburt ist der Knorpel des Kindes noch formbar. Dabei wird der Draht oder die Schablone auf die Ohrmuscheln aufgeklebt und fixiert so das Ohr für wenige Tage in der korrekten Stellung. So kann dem Kind eine spätere formkorrigierende Operation erspart werden.

Oft bilden sich abstehende Ohrmuscheln aber erst im Laufe der Entwicklung des Kindes aus. Um Hänseleien zu vermeiden, sollte eine korrigierende Operation vor der Einschulung stattfinden. Der ideale Zeitpunkt liegt zwischen dem 5. und 6. Lebensjahr. Dann hat die Ohrmuschel 80-90% ihrer Größe erreicht. Die Operation hindert das weitere Wachstum des Ohres nicht. Aber auch später im Erwachsenenalter können korrigierende Operationen durchgeführt werden.

Operationstechnik

Erstmals beschrieb Dieffenbach 1845 die Korrektur abstehender Ohren. Über die Jahrzehnte entstanden verschiedene Operationsverfahren.

Wir benutzen zur Korrektur des Knorpels den retroaurikulären Zugang, d. h. der ca. 2 cm lange Hautschnitt liegt unauffällig hinter der Ohrmuschel. Über diesen wird dann, je nach Befund, die Faltelung der Anthelix verstärkt oder der Knorpel der Ohrmuschel verkleinert. Über diesen Zugang können bei Bedarf auch zusätzliche Formveränderungen durchgeführt werden.

Nach der Operation muss 4 Wochen Tag und Nacht und weitere 4 Wochen nur nachts ein Stirnband auf den Ohren getragen werden. Darum ist es sinnvoll den Operationszeitpunkt in der kalten Jahreszeit zu wählen.

Die Operation wird ambulant (auf Wunsch auch stationär) bei Kindern in Vollnarkose durchgeführt, bei Erwachsenen ist die Operation in lokaler Betäubung möglich.

Referenzen

1. Dieffenbach JF. Operative Chirurgie. Leipzig: F. A. Brockhaus; 1845.

Übersicht

OP
1 h in Vollnarkose (bei Kindern) oder lokaler Betäubung

Aufenthalt
ambulant

Nachsorge
Nahtentfernung nach 2 Wochen
Stirnband Tag und Nacht für 5 Tage, nachts für weitere 3 Wochen
Verzicht auf Mannschaftssport für 8 Wochen

Gesellschaftsfähig
nach Verlassen der Klinik mit Stirnband

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